Neue Standortkonzepte sollen mittelfristige Wachstumsziele absichern
Nachdem sich das Krisenjahr 2009 auch auf die Wintersteiger AG ausgewirkt hatte, meldet sich der oberösterreichische Maschinenbauer mit eindrucksvollen Zahlen für das Geschäftsjahr 2010 zurück. Das Unternehmen verbuchte im abgelaufenen Rechnungsjahr einen Konzernumsatz von 93,4 Millionen Euro. Auch das operative Ergebnis in der Höhe von 9,6 Millionen Euro kann sich sehen lassen, entspricht es letztlich einer EBIT-Marge von 10,3 Prozent. Die Exportquote lag 2010 bei 88,4 Prozent und zeigt die internationale Ausrichtung der Oberösterreicher. Für das Führungstrio der Wintersteiger AG ist das Ergebnis durchaus respektabel, aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.
Finanzvorstand Roland Greul MBA zeigt sich mit dem Unternehmensergebnis und der strategischen Ausrichtung in Form der 3-Sparten-Politik zwar zufrieden, weiß aber, dass das Unternehmen deutlich mehr Potenzial in sich trägt. Greul bringt das wie folgt auf den Punkt: „Unser Ergebnis ist gut, aber wirklich zufrieden sind wir erst dann, wenn wir unsere Stärken wirtschaftlich noch besser nutzen und unsere strategischen Möglichkeiten voll ausschöpfen." Wintersteiger ist mit den drei Divisionen Sports, Seedmech und Woodtech international in völlig unterschiedlichen Zielmärkten engagiert. Damit ist das Unternehmen krisensicherer aufgestellt als viele andere Maschinenbauer. „Wir sind zwar in allen drei Unternehmensbereichen Weltmarkt- und Innovationsführer, dürfen uns trotzdem aber niemals überschätzen", warnt Greul vor zu viel Selbstbewusstsein. Und er gibt zu verstehen, dass man bei Wintersteiger stets darauf achten wird, Innovationen voranzutreiben, sowie kundenorientiert, flexibel und mit maximaler Effizienz zu arbeiten. Nur so könne das Unternehmen seinen starken Marktstellungen im internationalen Wettbewerb gerecht werden.
Klare Strategie und sehr gute Eigenkapitalausstattung
Die strategischen Entscheidungen der letzten Jahre geben der Führung von Wintersteiger Recht. Greul dazu: „Wir haben in den vergangenen Jahren eine konsequente Produkt- und Vertriebspolitik betrieben. Mit innovativen Produkten haben wir neue Märkte, Branchen und somit auch zusätzliche Umsatzpotenziale erschlossen. Gleichzeitig wurde der gesamte Produktionsprozess optimiert und flexibilisiert. All diese Aktivitäten haben letztlich dazu beigetragen, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgegangen sind." Tatsächlich hat Wintersteiger inmitten der Krise seine Anstrengungen verstärkt, sich fit für den zunehmenden Wettbewerb zu machen. Mittlerweile produziert das Unternehmen seine Maschinen Just-in-time nach MTO-Kriterien (make-to-order) - und das im Total Model Mix.
In Zeiten schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen macht es sich bezahlt, über eine gesunde Eigenkapitalquote zu verfügen. Diese Tatsache war mitverantwortlich dafür, dass Wintersteiger so gut durch die Krise gekommen ist. Mit Abschluss des Geschäftsjahres 2010 lag die Eigenkapitalquote im Konzern bei 55,8 Prozent, in der Konzernmutter, der Wintersteiger AG sogar bei 61,7 Prozent. In den kommenden Monaten startet Wintersteiger mit dem Bau von zusätzlichen Produktions- und Büroflächen am Standort Ried im Innkreis. Die sehr gute Kapitalausstattung des Unternehmens darf dabei als solider Grundstein verstanden werden. Mittelfristig peilt die Unternehmensführung eine Umsatzgröße von 130 bis 150 Millionen Euro an. Mit dem Ausbau des Standortes will man die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen.
Ausbau der Produktions- und Büroflächen am Standort Ried
Um ein weiteres Unternehmenswachstum zu ermöglichen, war es notwendig geworden ein neues Standortkonzept zu entwickeln. In einem ersten Schritt wurde im oberösterreichischen St. Martin im Innkreis ein neues Logistikzentrum mit einer Größe von 6.200 qm errichtet. Dadurch konnten in den vergangenen Monaten mehrere Lager- und Logistikstandorte in und um Ried im Innkreis an einem zentralen Standort zusammengefasst werden. Auch das Hauptlager am Produktionsstandort Ried wurde in das Logistikzentrum integriert. Am neuen Standort St. Martin beschäftigt Wintersteiger derzeit 35 Mitarbeiter. In einem weiteren Schritt sollen noch in diesem Jahr umfassende Ausbauaktivitäten in Ried beginnen. Ing. Walter Aumayr, Vorstand für Technik zu dieser Entscheidung: „Durch die Verlegung der Lagerflächen weg vom Hauptwerk und den Neubau entstehen zusätzliche Produktions- und Montageflächen von rund 2.000 qm. Dadurch können wir unsere Fertigungsprozesse weiter gehörig optimieren." Im Zuge dieser Baulichkeiten errichtet Wintersteiger auch zusätzliche Büroflächen in der Größenordnung von etwa 1.600 qm. Aumayr geht davon aus, dass bereits im Frühsommer mit dem Ausbau des Standortes Ried begonnen werden kann. Insgesamt investiert Wintersteiger rund fünf Millionen Euro in dieses Vorhaben. „Mit diesem Standortkonzept und den laufenden Prozessoptimierungen schaffen wir die Grundlage für die mittelfristig von uns angepeilten Umsatzziele", so Walter Aumayr über die Perspektiven der Wintersteiger AG.
Forschung und Entwicklung als Basis der Innovationskraft
Wintersteiger ist in jeder seiner drei Unternehmenssparten Weltmarktführer. Zusätzlich ist das Unternehmen auch Innovationsführer und tonangebend bei Schlüsseltechnologien. Die Innovationskraft der oberösterreichischen Maschinenbauer kommt nicht von irgendwo, sondern resultiert aus dem klaren Bekenntnis zu Forschung und Entwicklung. In diesen Bereich investierte das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 5,5 Millionen Euro, was einer F&E-Quote von 5,9 Prozent entspricht. Walter Aumayr verdeutlicht das anhand weiterer Zahlen: „Im Jahr 2010 haben wir rund 90.000 Stunden in die Entwicklungsarbeit investiert. Noch vor vier Jahren lag dieser Wert bei rund 65.000 Stunden. Diese Zahlen machen deutlich, dass wir F&E als die zentrale Basis unserer Innovationskraft betrachten."
Neben den Entwicklungsaktivitäten im eigenen Haus kooperiert Wintersteiger mit etlichen Universitäten, Fachhochschulen, Höheren Technischen Lehranstalten und Engineering Büros. „Wir sind laufend auf der Suche nach neuen Erkenntnissen und neuem Know-how, deshalb sind diese Kooperationen wichtig für uns. Außerdem entstehen dadurch Kontakte zu möglichen neuen Spitzenkräften für unser Unternehmen. Wir sind immer interessiert an ausgesprochenen Talenten für unsere Entwicklungsabteilung", ergänzt Ing. Walter Aumayr.
Die Entwicklung in den drei Divisionen der Wintersteiger AG
Die Division Sports, die mit Gesamtlösungen für den Verleih und Service von Ski und Snowboards am Markt aktiv ist, hat den größten Umsatzanteil aller drei Divisionen erwirtschaftet. Das resultiert im Wesentlichen aus dem guten Winter 2010/2011 in Europa und den USA und der wirtschaftlichen Regeneration am US-Markt und in Osteuropa. Positiv zum Ergebnis hat auch der zunehmende Trend zu hochwertig ausgestattetem Skiverleih beigetragen. Markus Piber, Vorstand für Marketing und Vertrieb sieht auch hier die strategische Ausrichtung von Wintersteiger bestätigt: „Die Entwicklung hin zu einem Vollausstatter für den Skiverleih hat sich als absolut richtig erwiesen. Die Tendenz zum qualitativen Skiverleih schlägt immer mehr auf unsere Ergebnisse durch. Mit unserem Gesamtanbieterkonzept sind wir besser aufgestellt als unsere Mitbewerber."
Die Division Seedmech agiert im Bereich der Feldversuchstechnik und hat das Jahr 2010 mit einem äußerst positiven Ergebnis abgeschlossen. Trotz der weltweiten Reduktion der Budgets von staatlichen Forschungs- und Züchtungsbetrieben erzielte die Division den höchsten Umsatz ihres Bestehens. Zu verdanken war das im Wesentlichen der ausgezeichneten Auftragslage in Nordamerika beziehungsweise den exzellenten Ergebnissen der neuen Tochtergesellschaften in China und Brasilien. Wintersteiger hat vor vier Jahren gezielt damit begonnen, sich noch stärker in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) zu engagieren, da die Wachstumsdynamik in diesen Staaten enorm ist. Laut Markus Piber hat zum starken Ergebnis auch die Markteinführung der neuen Einzelkornsämaschine Dynamic Disc beigetragen, die 2010 auf den Markt gekommen ist. Auch die Neuorganisation des internationalen Key Account Managements habe sich sehr positiv auf die Entwicklung der Division Seedmech ausgewirkt.
Die Division Woodtech war im Krisenjahr 2009 das größte Sorgenkind bei Wintersteiger. Die Sparte fertigt Maschinen für den qualitativen Holzdünnschnitt, beispielsweise für die Parkettbodenindustrie, sowie für Fenster- und Türenhersteller. Durch den Einbruch der Weltkonjunktur wurden in diesen Branchen wichtige Investitionen zurückgehalten, die aber 2010 teilweise wieder getätigt wurden.
Nach Jahren starken Wachstums bekam Woodtech die Auswirkungen der Krise am deutlichsten zu spüren. Im Jahr 2010 konnte der Spartenumsatz gegenüber dem Krisenjahr 2009 wieder um rund 40 % gesteigert werden. Markus Piber dazu: „Bei Woodtech sind wir strategisch zwar sehr gut aufgestellt, aber in den traditionell wichtigen Märkten wie USA, Spanien oder Großbritannien spüren wir noch immer die Nachwehen der Krise. Dafür punkten wir nun stärker in China und in etlichen Ländern Osteuropas. Mit unserem Produktsortiment sollten wir von einer anhaltenden Erholung der Weltkonjunktur wieder stärker profitieren." Nach Aussagen von Piber entwickelt sich die Bandsägentechnologie sehr gut, bei Durchsatz und Schnittfuge seien die Wintersteiger-Maschinen weltweit führend. Das Unternehmen habe auch auf den Trend zur vollautomatisierten Produktion vor Jahren die passende Antwort geliefert. Mit Woodtech Systems wurde der Grundstein gelegt, um für die weltweiten Kunden vor- und nachgelagerte Automatisierungsprozesse von der Planung bis hin zur Abwicklung zu realisieren.
Nationaler und internationaler Mitarbeiterstand per 31. Dezember 2010
Mit Stand Ende des Geschäftsjahres 2010 beschäftigt Wintersteiger im Konzern weltweit 616 Mitarbeiter. In der Konzernzentrale in Ried im Innkreis arbeiten 450 Mitarbeiter. Zur Zeit befinden sich 48 Lehrlinge in Ausbildung. Damit zählt das Unternehmen auch aktuell zu den Top-Ausbildungsbetrieben in der Region. Noch in diesem Jahr werden bei Wintersteiger 16 neue Lehrlinge ihre Ausbildung beginnen. „Wir setzen seit Jahrzehnten darauf, dass wir unsere zukünftigen Fach- und Führungskräfte selbst ausbilden. Das verstehen wir unter nachhaltiger Personalpolitik", so Vorstand Roland Greul. Das Führungstrio der Wintersteiger AG ist sich einig darin, dass durch die mittelfristigen Wachstumspläne auch weitere qualifizierte Arbeitsplätze am Standort Ried geschaffen werden.
Das laufende Geschäftsjahr 2011
Die Vorstände der Wintersteiger AG rechnen mit einem soliden Wirtschaftsjahr 2011. Noch immer gäbe es aber exogene Faktoren, die schwer zu bewerten seien. Bisweilen sei unklar, wie nachhaltig die Erholung der Weltwirtschaft sein wird und wie sich die Entwicklung der Staatsausgaben und Konjunkturprogramme auf die Investitionstätigkeit in den Geschäftsfeldern von Wintersteiger auswirken werden. Das laufende Geschäftsjahr von Wintersteiger ist geprägt von den Um- und Ausbauplänen am Standort Ried im Innkreis und der weiteren Optimierung der Produktions-, Logistik- und Vertriebsprozesse.
Zudem ist die Integration des letzten Unternehmenszukaufes bereits voll im Gange. Wintersteiger hat im April 2011 bekanntgegeben, dass man sich die Mehrheitsanteile an der BootDoc Handels GmbH in Liezen gesichert hat. Das Unternehmen erzeugt überwiegend Schuheinlagen für den Sport und hat im Geschäftsjahr 2009/2010, bei einer Exportquote von 55 Prozent, einen Umsatz von 1,7 Millionen Euro erwirtschaftet. „BootDoc passt sehr gut in unser Unternehmens- und Wachstumskonzept. Gerade mit der Division Sports erwarten wir erhebliche Synergieeffekte und nachhaltiges Wachstum, schließlich sind die Zielgruppen ident. Unser weltweites Vertriebsnetz mit 15 eigenen Niederlassungen und 60 Repräsentanzen sollte die Umsätze von BootDoc bereits kurz- und mittelfristig nach oben schrauben", so Markus Piber abschließend über den Zukauf. |