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01/06/2008
Wintersteiger schneidet mehr aus einem Fries - Das 6-Lamellen-Konzept spart 20 % Holz

Der weltweit führende Hersteller von Dünnschnitt-Sägen, der oberösterreichische Maschinenbauer Wintersteiger, produziert Anlagen, mit denen Lamellen ab 1,5 mm Dicke gesägt werden können.


Die neueste Entwicklung ist eine Dünnschnitt-Gattersäge, mit der Schnittfugen von nur 0,7 mm Breite realisiert werden. Damit ist es möglich, aus üblichen Rohfriesen 6 statt 5 Lamellen zu sägen.

Bei der Produktion von Deckschichtlamellen mit einer herkömmlichen Spaltkreissäge landen von einem Standardfries (S4S) mehr als 30 % im Spänebunker. Wer von der Spaltkreissäge auf eine Dünnschnitt-Gattersäge mit Wintersteiger-Sägeblättern umsteigt, reduziert seinen Schnittverlust dank der neuen Sägengeneration mit Schnittfugen von 0,7 mm bzw. 0,9 mm um bis zu einem Drittel. Für den Einschnitt von Friesen bedeutet die neue Technik, nunmehr 6 statt 5 Lamellen aus einem Standardfries sägen zu können. Die nach dem neuen 6-Lamellen-Konzept auf Basis der Dünnschnitt-Gatter-Technologie gesägten Lamellen sind 3,33 mm dick und damit nicht viel dünner als bei der 5-Lamellen-Version mit 3,98 mm. Rund 20 % Rohmaterial werden durch die neue Technik eingespart. Und Sparen ist ein Gebot der Stunde, denn die Materialkosten für die Deckschicht schlagen mit 25 % bis 30 % der Gesamtkosten für Mehrschichtparkett zu Buche.



Bei 3,3 mm dicke für die Deckschicht schneidet Wintersteiger sechs Lamellen aus einer Standardfriese.

Was das für einen Parketthersteller bedeutet, rechnet Wintersteiger am Beispiel einer jährlichen Kapazität von 1 Mio. qm vor. Beim Auftrennen in fünf Lamellen lassen sich aus einem Kubikmeter vierseitig vorgehobelter Friese lediglich 200 qm Lamellen schneiden. Für 1 Mio. qm Lamellen sind hier also rund 5.000 cbm Friesen erforderlich. Bei einem angenommenen Preis von 700 EUR pro Kubikmeter entstehen pro Jahr Rohmaterialkosten für die Nutzschicht von 3,5 Mio. EUR.

Nutzt der Parketthersteller die Dünnschnitt-Gatter-Technologie mit dem 6-Lamellen-Konzept, so beträgt die Ausbeute aus einem Kubikmeter Friesen rund 245 qm. Der Bedarf an Friesen verringert sich dadurch von 5.000 auf 4.080 Kubikmeter und die Rohmaterialkosten sinken auf knapp 2,8 Mio. EUR. Das Einsparungspotential beträgt somit 65 Cent pro qm und damit jährlich fast 650.000 EUR bei einer Jahresproduktion von 1 Mio. qm.

Wintersteiger-Anlagen arbeiten mit höchster Präzision. Eine spielfreie Sägenführung gewährleistet ein Höchstmaß an Schnittgenauigkeit, der symmetrisch konstruierte Sägerahmen sorgt für eine gleichmäßige Sägeblattspannung und ein integrierter Ausrissschoner stabilisiert die Friesunterseite beim Austritt der Sägeblätter. Bei einer Hubfrequenz von 550 Hüben pro Minute wird ein optimaler Vorschub erreicht.

Winterseiger baut seit 1953 Spezialmaschinen. Heute liefert das Unternehmen seine Maschinen von Österreich aus in 130 Länder. Vom Stammsitz in Ried aus werden 16 weitere Standorte und 60 internationale Büros gesteuert. Erst kürzlich ist die komplett neue Sägenproduktion in Thüringen eröffnet worden. 1.500 Dünnschnitt-Gattersägen wurden weltweit bereits verkauft und noch ist Wintersteiger der weltweit einzige Anbieter von Gattersägen mit einer Schnittfuge von 0,7 mm.


Das Ende der Dünnschnitt-Entwicklung ist noch nicht erreicht

Diplom-Ingenieur (FH) Bernd Wiesenberger vom Wintersteiger Produktmanagement im Interview

ParkettMagazin: Wintersteiger ist führend in Dünnschnitttechnologie. Worin liegt die eigentliche technologische Leistung?

Bernd Wiesenberger: Unsere Kunden aus der Parkettindustrie, Tür- und Fensterproduktion, aus der Mehrschichtplattenerzeugung, dem Musikinstrumentenbau und viele mehr profitieren von folgendem technologischen Leistungsspektrum: Staubfreie und verleimfertige Lamellen in hoher Präzision, eine Schnittgenauigkeit von ca. +/- 0,1 mm, Schnitthöhen bis zu 400 mm, sowie maximale Holzausbeute in Kombination mit minimalen Schnittfugen ab 0,7 mm.

ParkettMagazin: Unterstützen neue Metall-Legierungen die immer dünner werdenden Sägen?

B. Wiesenberger: Natürlich benötigt man eine hohe Qualität für das Grundmaterial der Säge. Neue Metall-Legierungen ermöglichen eine noch höhere Vorspannung der Sägeblätter, die sich positiv auf die Standzeiterhöhung und Reduktion der Schnittfuge des Werkzeugs auswirkt.

ParkettMagazin: Welchen Einfluss hat die Führung des Schnittgatters?

B. Wiesenberger: Dünnschnitt-Sägeblätter und Dünnschnitt-Gattersägen von Wintersteiger sind optimal aufeinander abgestimmt. Hoch präzise Linearführungen garantieren ein Höchstmaß an Schnittgenauigkeit. Im Gegensatz zum Schwingrahmen verhindert die spielfreie Sägenführung jeglichen seitlichen Druck auf die Säge. Das Resultat sind maximale Schnittgenauigkeit, hohe Sägeblatt-Standzeit und feinstes Schnittbild.

ParkettMagazin: Kreissägeblätter erreichen nicht die Minimalmaße der Gattersägen. Woran liegt das?

B. Wiesenberger: Kreissägeblätter können im Gegensatz zu Gattersägeblättern nicht vorgespannt werden. Das Stammblatt der Kreissäge muss daher die Seitenführung übernehmen. Das geht nur mit einem dickeren Blattkörper und führt zu einem dickeren Schnittspalt. Letztlich bedeutet das mehr Holzverlust.

ParkettMagazin: An welchen Parametern kann noch gefeilt werden? Wo besteht noch Entwicklungspotential?

B. Wiesenberger: Die kritischen Erfolgsfaktoren und somit Entwicklungspotential liegen in der Herstellung von Dünnschnitt-Gattersägen bei noch höherem Präzisionsschliff der Werkzeuge und der Verbesserung der Zähigkeit und Härte der Schneidstoffe. Bei Wintersteiger werden speziell abgestimmte Stellite bzw. Hartmetalllegierungen verwendet, die diesen Anforderungen gerecht werden. Natürlich ist auch die Abstimmung zwischen Werkzeug und Maschine ein wichtiger Faktor und muss für jede Anwendung optimiert werden.

ParkettMagazin: Wie dünn kann eine Gattersäge theoretisch schneiden?

B. Wiesenberger: Eine Schnittfuge von 0,7 mm ist sicher noch nicht das Ende. Aus Sicht der Anwendungstechnik gibt es noch Potential für dünnere Sägeblätter. In unserer Entwicklungsabteilung wird auch bereits daran gearbeitet. Neben neuen Werkstoffen und Herstellverfahren sind für die Weiterentwicklung der Dünnschnittsägen die Kundenforderungen und der Nutzen für den jeweiligen Kunden das Maß aller Dinge.

ParkettMagazin: Entsteht mit immer dünneren Lamellen ein fließender Übergang zu Furnieren?

B. Wiesenberger: Es handelt sich um zwei unterschiedliche Prozesse. Furnier wird mittels Messern bzw. durch Schälen produziert, Lamellen werden gesägt. Nutzt man das sogenannte „Slicen", ergibt sich der theoretische Vorteil eines Null-Schnittspaltes, jedoch kann dies in der Praxis meist nicht umgesetzt werden. Im Gegensatz zum Slicen ist für das Sägen keine aufwendige Holzvorbereitung oder Nachbehandlung notwendig. Die Lamellen sind unmittelbar nach dem Sägen fertig für die weitere Verarbeitung.

ParkettMagazin: Wie ist die weltweite Patentsituation? Kann Wintersteiger seine Entwicklung schützen?

B. Wiesenberger: Seit den frühen 90er Jahren hat Wintersteiger unzählige Patente für Techniken der Gattersäge und Sägeblatttechnologie in Europa, Russland, China und Nordamerika eingereicht und erhalten.



Diplom-Ingenieur (FH) Bernd Wiesenberger,
Wintersteiger-Produktmanager


 
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